Vorbild sein: 5 Tipps, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Kinder haben ein feines Gespür für Werte und brauchen Vorbilder im Umgang mit Herausforderungen. Mit den untenstehenden Vorgehensweisen können Sie als Eltern Ihren Kindern ein starkes Vorbild sein und sie auf ihrem Weg unterstützend begleiten.

Nach vielen Jahren fand wieder einmal eine Klassenzusammenkunft statt – ich freute mich, Schulkolleginnen und Schulkollegen von früher zu treffen. Schnell schweiften die Gedanken zurück in die alten Zeiten – ob gut oder schlecht – und die entsprechenden Bilder tauchten aus der Erinnerung wieder auf. Wer hat wann was gesagt und gemacht? Wie haben wir gelacht! Und dann die Lehrerinnen und die Lehrer – weisst du noch? Welche Spuren haben sie in unserem Leben hinterlassen? Was zeichnete sie damals aus? Was beeindruckte uns? Was hat uns nachhaltig geprägt? Mit so grossem Abstand zur Schulzeit wurde mir klar, wie stark die Lehrkräfte Vorbilder für uns gewesen waren.

Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche Eigenschaften ein Vorbild mitbringen muss, um als gutes Vorbild zu gelten – speziell mit Blick auf unsere Rolle als Eltern, in der wir ja, so unangenehm der Gedanke auch sein mag, immer auch Vorbild sind, egal, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.

1. Echtheit

Diese Eigenschaft hinterlässt tiefe Spuren. Wenn Kinder spüren, dass das, was die Eltern sagen, und das, was sie tun, übereinstimmen, entsteht ein Fundament des Vertrauens in der Eltern-Kind-Beziehung. Auf diesem Fundament lassen sich Regeln und Erziehungsanweisungen aufbauen, die den Kindern die nötige Sicherheit vermitteln, um in einem guten Rahmen aufzuwachsen. Die Kinder spüren, dass auf die Eltern Verlass ist.

2. Ein Ja zur Unvollkommenheit

Und wenn mal was danebengeht? Kein Vorbild ist perfekt, aber genau in dieser Einsicht liegt auch eine Chance. Die Chance nämlich, sich der eigenen Unvollkommenheit als elterliches Vorbild bewusst zu werden. Eltern, die ihre eigene Unvollkommenheit akzeptieren, können sich bei ihren Kindern auch mal für Dinge entschuldigen, die nicht so geklappt haben, wie’s eigentlich gedacht war. Die Kinder spüren, dass die Eltern Eltern bleiben, auch wenn nicht alles nach Plan verlaufen ist.

3. Wertschätzung und Respekt

Kaum ein Aspekt des elterlichen Vorbildseins hat grösseres Potenzial, die Kinder über sich hinauswachsen zu lassen, als Wertschätzung und Respekt. Speziell wenn sich Kinder gegen gutgemeinte Erziehungsmassnahmen und Regeln stellen, hilft eine von Wertschätzung und Respekt geprägte Haltung.

Die folgende Geschichte illustriert diese Haltung:
Bei einem Besuch im NASA-Hauptquartier informierte sich Präsident John F. Kennedy über den Stand im Wettrennen ins All gegen die Sowjetunion. Auf dem Rundgang durch die Gebäude traf der Präsident auf eine Putzfrau, die akribisch und ausdauernd den Boden schrubbte. Dem Präsidenten fiel die Mitarbeiterin sofort auf. Ganz angetan von derart grossem Engagement, ging er auf sie zu und fragte, welche Aufgabe sie im Gefüge der NASA denn wahrnehme. Die Antwort der Frau: «Ich helfe dabei, einen Menschen auf den Mond zu schicken.»
Analog diesem Beispiel spüren Kinder, dass die Eltern sie ernst nehmen und an sie glauben, und sie werden durch dieses Vertrauen beflügelt.

4. Mit Humor geht’s leichter

Das Vorbild der Eltern ist auch dann wichtig, wenn es mal schwierig wird in der Familie. Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, setzt ungeahnte Kräfte und Leichtigkeit frei. Dies hilft, Tiefschläge und Niederlagen zu verkraften. In manchen Fällen beschleunigt diese Fähigkeit sogar den Prozess der Wiederherstellung. Sosehr eine Familie auch mit Herausforderungen und Hindernissen zu kämpfen haben mag, wenn die Mitglieder einer Familie sich gegenseitig dazu anspornen können, diesen Situationen mit einer guten Portion Humor zu begegnen, wird der Alltag etwas leichter zu bewältigen sein.
Die Kinder spüren, dass auch eine noch so ausweglos erscheinende Situation gemeinsam durchgestanden werden kann.

5. Leidenschaft

Für Eltern wird es in der Erziehungsarbeit immer wieder darum gehen, dass sich die Herzen ihrer Kinder für die Pläne und die Absichten, die sie verfolgen, erwärmen lassen. Wenn Eltern ihren Kindern Einblick gewähren, wofür ihr Herz leidenschaftlich schlägt, wird es für Kinder einfacher, sich mit auf denselben Weg zu machen. Begeisterte Eltern haben begeisterte bzw. begeisterungsfähige Kinder – und diese Begeisterungsfähigkeit basiert auf einer gemeinsam gewonnenen Sicht für «Familie». Wenn Elternherzen den Kinderherzen in den Stürmen des Familiendaseins zugewandt bleiben, werden die Kinder über kurz oder lang von der elterlichen Leidenschaft für die Familie geprägt.

Die Kinder spüren, wofür die Herzen der Eltern brennen, und lernen so, in Vertrauen zu wachsen.

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Vorbild sein im Umgang mit Stress und Druck

Als Eltern sind wir Vorbilder für unsere Kinder – so banal diese Aussage erscheinen mag, so herausfordernd wird sie, wenn sich dieses Vorbildsein auf unseren Umgang mit Stress und Druck als Erwachsene bezieht.

Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch viele Erwachsene fühlen sich in ihrem Leben unter Druck: in der Familie, am Arbeitsplatz, durch die Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft. Oft entsteht Druck auch aus der Summe aller kleinen Aufgaben, die unser manchmal so hektischer, vollgepackter Alltag mit sich bringt. Jeder und jede Betroffene muss für sich selber eine möglichst gute, gesunde Art entwickeln, mit Druck umzugehen. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Verhaltensstrategien, und nicht jeder gutgemeinte Rat ist für jeden gleich anwendbar.

Mit unserem eigenen Verhalten sind wir Vorbilder für unsere Kinder und prägen so ihren Umgang mit Druck. Daher sollten wir uns ehrlich und kritisch fragen: Was für ein Vorbild bin ich und was für ein Vorbild möchte ich denn eigentlich sein?

Empfehlungen für Eltern:

  • Geben Sie sich echt und authentisch
    Wie echt bin ich im Kreis meiner Familie? Gibt es Dinge, die ich zu verstecken suche? Erleben mich unsere Kinder ausser Haus genau gleich wie zu Hause?
  • Gestehen Sie ruhig mal einen Fehler ein, auch in der Erziehungsarbeit
    Wie gehe ich mit Momenten des Versagens, der Enttäuschung oder mit Niederlagen um? Erlaube ich auch anderen in der Familie, Fehler zu machen, und bin ich in der Lage, darüber zu sprechen?
  • Zeigen Sie in Ihrem Umfeld echte Wertschätzung
    Wann und wie habe ich ganz konkret zum letzten Mal meine Ehepartnerin/meinen Ehepartner wertgeschätzt? Sie/ihn ermutigt? Haben die Kinder etwas davon mitbekommen? Gehe ich mit Familienmitgliedern respektvoll um, und auf welche Art und Weise spüren sie meinen Respekt? Was geschieht, wenn wir einander nicht respektvoll begegnen?
  • Nehmen Sie eine Situation auch mal mit Humor, falls es passt
    Kann ich über mich selber lachen? In welchen Situationen fällt es mir besonders schwer, über mich oder über eine konkrete Situation zu lachen? Wer oder was bringt mich zum Lachen? Wie könnte ich andere in meinem Umfeld zum Lachen bringen?
  • Zeigen Sie Ihrem Umfeld, welches Ihre Leidenschaften sind
    Für welche Werte und Anliegen brennt mein Herz wirklich? Was begeistert mich? Was löscht mir ab? Wie zeige ich anderen meine Begeisterung? Wie gelingt es mir, meine Werte und Anliegen in die Erziehungsarbeit einfliessen zu lassen?
Stefan von Wartburg

Stefan von Wartburg

Stefan von Wartburg ist Theologe und Berater bei der Pro Juventute Elternberatung. Diese steht Eltern und Erziehungsberechtigten jeden Tag und rund um die Uhr vertraulich zur Verfügung.

Telefonisch zum Normaltarif unter 058 261 61 61 sowie Online unter
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