Rolle der Schule

Die Schule hat eine zentrale Stellung im Alltag der Kinder und Jugendlichen. Sie nimmt einen grossen Teil ihrer Zeit ein und wird von den Jugendlichen als Quelle von Stress am häufigsten genannt. Eine wesentliche Stressbelastung sowohl für die Jugendlichen als auch für deren Eltern stammt von den Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen – hier unterscheiden sich aber Kantone, Schulen und teilweise sogar die einzelnen Klassen in einer Schule deutlich.

In der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen spielt die Schule eine relevante Rolle. Zum Schulbeginn sind die Vorfreude und die Aufregung gross. Mit zunehmendem Alter wird die Schule oft zur reinen Pflicht. Auf die Frage, woher der gefühlte Stress bei den Jugendlichen komme, wird die Schule am häufigsten genannt. 61 Prozent der gestressten Jugendlichen fühlen sich durch die Schule gestresst.

Freundschaften, Streits und Mobbing

Die Bedeutung der Schule geht für die Jugendlichen weit über die Schulstunden hinaus. Schulklassen, Freunde und Kollegen, der Rückhalt und die Stimmung in der Gruppe, Streit und Mobbing üben einen grossen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Selbstsicherheit der Schülerinnen und Schüler aus. Sie müssen sich in eine Gruppe einfügen, die sie sich nicht selber ausgesucht haben, und erleben einen Grossteil ihrer sozialen Kontakte in der Schule. Zudem verbringen sie viel Zeit sitzend und in einem stark reglementierten und strukturierten Umfeld.

Gleichzeitig bietet die Schule einen geeigneten Rahmen, um Massnahmen zum Erwerb von Gesundheitskompetenz und Programme zur Förderung der psychischen Gesundheit und Prävention von psychischen Störungen durchzuführen. Förderliche Effekte sind:

  • ein respektvoller und wertschätzender Umgang zwischen Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen,
  • ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Solidarität innerhalb der Klasse,
  • transparente und gerechte schulische Anforderungen und Bewertungen,
  • ein gewaltfreies und kohäsives Lernklima,
  • eine Infrastruktur, die sich für körperliche Aktivitäten eignet,
  • die Möglichkeit, sich an der Ausgestaltung und Einführung von Regeln zum Zusammenleben in der Schule zu beteiligen,
  • das «Empowerment» der Schülerinnen und Schüler und der Schulgemeinschaft sowie
  • der Aufbau und die Pflege der Beziehung zwischen Schule und Elternhaus.

Hausaufgaben

Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen stellen für viele Schülerinnen, Schüler und deren Eltern eine hohe Stressbelastung dar. Gleichzeitig ist der pädagogische Nutzen von Hausaufgaben umstritten. Es gibt wenig Regelungen und Richtlinien zu Hausaufgaben in den Schulgesetzen. Oft entscheidet jede Schule und jede einzelne Lehrkraft individuell, was dazu führt, dass sich Art, Qualität und die Menge an Hausaufgaben von Schule zu Schule unterscheiden – oft sogar von Lehrer/in zu Lehrer/in.

Eine Studie der Universität Fribourg ging der Frage nach, ob und wie Hausaufgaben einen motivierenden Effekt haben können und das Lernen unterstützen. Daraus wurden unter anderem die folgenden Empfehlungen für Lehrpersonen formuliert:

  • Wenn überhaupt, dann lieber oft als viele Hausaufgaben!
    Geben Sie Ihren Schülerinnen und Schülern regelmässig und eher kurze Hausaufgaben. Durch zu viel Hausaufgaben können sich ein negativer Lerneffekt und Demotivation einstellen.
  • Qualität vor Quantität!
    Geben Sie denkanregende Hausaufgaben, welche den weiteren Unterricht vorbereiten. Reine Wiederholungsübungen haben oft einen negativen Lerneffekt, da sie die Schüler demotivieren.
  • Hausaufgaben selbständig erledigen!
    Die Hausaufgaben müssen so gestellt werden, dass sie die Schülerinnen und Schüler selbständig und ohne Hilfe der Eltern lösen können und dies auch tun.