Rolle Jugendliche

Viele Jugendliche haben die Werte der Leistungsgesellschaft aufgenommen – sie stressen sich vor allem selber, haben eine ausgeprägte Erfolgsorientierung und möchten alles perfekt machen. Gleichzeitig hat durch Internet und Smartphones die Geschwindigkeit der Kommunikation deutlich zugenommen. Damit verbunden auch die ständige Angst, etwas zu verpassen, wenn man zu lange nicht online ist.

Die Lebensrealität junger Menschen in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren in Bewegung geraten. Klassische Erfolgskomponenten werden immer wichtiger, aber auch finanzielle Lebensziele und die Angst vor Arbeitslosigkeit. Die ausgeprägte Leistungs- und Erfolgsorientierung der Jugendlichen ist eine zentrale Ursache von Stress und Überforderung, wie die Juvenir-Studie von 2015 zeigte. Und so machen sich Jugendliche ihren Leistungsdruck oft selbst – allerdings nicht nur aus positiver, auf ein Ziel gerichteter Motivation, sondern zum grossen Teil auch aus Verunsicherung und Angst um ihre berufliche Zukunft.

Kinder- und Jugendpsychiater wie Michael Schulte-Markwort stellen in ihrer Arbeit fest, dass die jungen Patientinnen und Patienten sich heute stark bemühen, «gute» Kinder zu sein. Ohne dass sie jemand dazu antreibt, wollen sie erfolgreich, oder eher perfekt sein. Die Kinder, mit denen er zusammenarbeitet sind oft davon überzeugt, dass die heutige Gesellschaft, mit hoher Taktung diejenigen ausspuckt, die nicht mithalten können – wer nichts leiste, hätte verloren.

Die Angst, etwas zu verpassen

Karrieren und Lebenswege sind heute viel weniger vorzeichnet als früher. Den Jugendlichen stehen mehr Möglichkeiten offen als früher. Wir können und dürfen fast alles mit unserem Leben anfangen. Bei vielen löst diese Entscheidungsfreiheit Stress aus, denn mit den Möglichkeiten wächst auch die Angst, die falsche Option zu wählen. Zunehmend sind sie auf der Suche und bei einigen ist die Angst, etwas zu verpassen, so gross, dass sie sich auf nichts mehr einlassen können.

Diese Angst, etwas zu verpassen, «Fear of Missing out» wird durch die digitalen Medien verstärkt. In der Schweiz haben 99 Prozent der Zwölfjährigen ein Smartphone, 97 Prozent nutzen täglich oder mehrmals pro Woche Messengerdienste wie WhatsApp und 70 Prozent sind jeden Tag auf einer Social Media Plattform. Treffen werden heute kaum mehr geplant, viel mehr passiert spontan und kurzfristig – wer das Smartphone daher nicht regelmässig checkt, riskiert, wichtige Informationen zu verpassen. Das führt zu einer permanenten Rastlosigkeit, darunter leiden Pausen aber auch die Konzentration.