Lernfrust statt Lernlust

Angst zu versagen und geforderte Leistungen nicht zu erbringen beeinträchtigt die Lernfreude zahlreicher Schülerinnen und Schüler. Es gibt verschiedene Herausforderungen, die heranwachsende Kinder meistern müssen. Eltern können bei Themen wie Leistungsdruck und Noten und den damit verbundenen Fragen Unterstützung finden.

Immer wieder vor dem Semesterende stehen bei den Kindern Prüfungen und die Zeugnisvergabe an. Die Diskussion über Schulnoten ist omnipräsent und erhitzt die Gemüter seit Jahren. Damit die Kinder überhaupt lernen, brauche es den Notendruck, monieren die einen. Noten seien subjektiv, kontern die andern. Wie man es auch dreht und wendet, Tatsache ist, dass Noten Ursache für viele Tränen und zahlreiche Standpauken sind. So manches Familiendrama entzündet sich an schlechten Noten oder einer grassierenden Lernunlust. Denn nicht immer spornt die bevorstehende Prüfung oder das nächste Zeugnis zum Lernen an.

Resignierte Kinder

Bei einigen Kindern bewirkt der enorme Druck das pure Gegenteil. Die Stimmen aus der Kinderwelt klingen nicht selten resigniert: «Lernen hat doch keinen Sinn, ich habe ja sowieso eine schlechte Note.» – «Ich kann mich anstrengen, so viel ich will, mein Aufsatz kommt bestimmt wieder schlecht weg.» – «Meine Lehrerin mag mich nicht und verpasst mir stets eine schlechte Note.» Ob solche Einschätzungen richtig sind oder nicht, sei dahingestellt. Fakt ist, dass solche Empfindungen die Motivation beeinträchtigen. Kinder und Eltern fühlen sich oft machtlos und ausgeliefert.

Die Notengeberin, der Notengeber

Für viele Lehrpersonen werden die zunehmende Heterogenität der Klassen und die immense Stofffülle, die es zu vermitteln gilt, ebenfalls zum Problem. Allen Bedürfnissen gerecht zu werden und als Lehrerin oder Lehrer auch die eigenen Ansprüche zu erfüllen, ist ein Spagat, der so manche Lehrperson an ihre Grenzen bringt. Wer Kinder nicht leichtfertig benoten möchte, spürt oft eine gewisse Ohnmacht, wenn es darum geht, Zeugnisse zu schreiben.

Der Ehrgeiz der Eltern

Der unablässige Leistungsdruck kann sich aber auch anders manifestieren. Während die einen Kinder mit Lernverweigerung reagieren, beginnen die anderen, beinahe zwanghaft zu büffeln. Tagaus, tagein, abends und am Wochenende – unermüdlich wird gepaukt. Das Aufgabenmachen wird zur Familiensache erklärt und auftauchende Stofflücken werden mit Nachhilfeunterricht gestopft. Bei dieser Tendenz beschleicht einen das zwiespältige Gefühl, dass die Schule zwar sehr viel verlange, der Ehrgeiz der Eltern diesen Druck jedoch noch erhöhe. Wichtig wäre, dass man die Kinder zum Lernen motiviert, ihnen etwas zutraut, aber auch erkennt, wo ihre Grenzen liegen. Ein hehres Ziel, das nicht leicht zu erreichen ist und oft zu Spannungen zwischen Eltern und Kindern führt.

Susan Edthofer

Susan Edthofer

Susan Edthofer ist Pädagogin und Texterin. Früher war sie als Redaktorin für die Fachzeitschrift
«4 bis 8» tätig. Seit 2011 verfasst sie regelmässig Beiträge zu Erziehungsthemen für Pro Juventute.


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