«Weniger Druck. Mehr Kind.»

Dass Stress zum Alltag von uns Erwachsenen gehört, ist keine Neuheit, hellhörig macht jedoch, wenn sich zunehmend Kinder und Jugendliche gestresst fühlen. Können Kinder denn wirklich schon gestresst sein?

Tatsächlich berichten sie immer häufiger, dass sie keine freie Zeit haben und völlig eingespannt sind. Die Anforderungen in Schule und Ausbildung werden stets grösser, die Erwartungen nehmen zu und der Leistungsdruck steigt. Unsere Kinder müssen sich mit Konkurrenzdenken, zu vielen Terminen, einem grossen Freizeitangebot, einer Medienflut und einem riesigen Konsumangebot auseinandersetzen. Nicht verwunderlich, wenn sich Überforderung bemerkbar macht.

Auf dieser Seite erfahren Sie: Welches sind die ersten Anzeichen für Stress? Was sind die Auslöser von Stress? Und wie können Sie als Eltern Ihr Kind bei Stress unterstützen?

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Ist mein Kind gestresst? Typische Anzeichen dafür:

Stress äussert sich auf unterschiedliche Weise und es gibt nicht den einen bestimmten Hinweis. Zudem ist es gerade für jüngere Kinder oft schwierig, in Worte zu fassen, wie es ihnen geht, und zu verstehen, was die Auslöser für ihr aktuelles Wohlbefinden sind. Sie reagieren bei Stress vor allem mit körperlichen Symptomen. Mit zunehmendem Alter äussert sich Überforderung vermehrt über die psychologische und emotionale Ebene. Auch können Verhaltensauffälligkeiten und Schulschwierigkeiten Zeichen von Überforderung sein und auf zu viel Stress hinweisen.

Zeichen für Stress bei jüngeren Kindern sind unter anderem:

  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Müdigkeit
  • Herzklopfen
  • Händezittern
  • Schwindel
  • Appetitlosigkeit oder Übelkeit

Zeichen für Stress mit zunehmendem Alter sind unter anderem:

  • Selbstzweifel
  • Unglücklich-sein, Rückzug
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Rangeleien
  • Türen zuknallen
  • Zunehmende Konflikte unter Geschwistern respektive mit Gleichaltrigen

Natürlich können all diese Zeichen verschiedene Ursachen haben. Vor allem aber, wenn sie bei Ihrem Kind wiederholt und über längere Zeit oder kombiniert auftreten, sollten Sie achtsam sein. Nicht jedes Kind reagiert gleich. Vergleichen Sie es daher nicht mit anderen.

Was sind Auslöser von Stress?

Oft sind es alltägliche Kleinigkeiten, die Kinder und Jugendliche stressen. Nicht selten sind es Dinge, die wir als Erwachsene nicht nachvollziehen können, denn Kinder und Jugendliche müssen erst noch viele Hürden meistern, die für uns Erwachsenen schon selbstverständlich und alltäglich sind. Auslöser für Stress gibt es in der Familie, in der Schule, unter Gleichaltrigen, durch Medien, Hobbys, eine zu grosse Leistungsorientierung oder körperliche Veränderungen.

Beispiele für mögliche Stressauslöser:

  • Kritische Lebensereignisse: In jedem Alter und in jeder Familie können kritische Lebensereignisse auftreten. Belastend wirkt beispielsweise der Verlust eines geliebten Menschen, der Umzug in eine andere Stadt oder die Trennung der Eltern.
  • Entwicklung/Pubertät: Entwicklung sexueller Beziehungen, der Umgang mit der körperlichen Reifung und auch das Heranbilden der eigenen Identität bedeuten eine grosse Herausforderung. Einige meistern diese Veränderungen problemlos, andere haben jedoch Mühe, alles zu bewältigen und allen Anforderungen gerecht zu werden.
  • Grosser Zeitdruck, wenig Freizeit: Mangelnde Freizeit und wenig selbstbestimmte Zeit belasten den Familienalltag. Bei der Freizeitplanung fühlen sich Kinder und Jugendliche oft ausgeschlossen und durch zusätzliche Aktivitäten überfordert.
  • Umgang mit Medien: Ein Zuviel an Medien, wie TV, Computer und Smartphone kann zu einer Reizüberflutung führen und reduziert die Zeit, die Kindern für andere Aktivitäten zur Verfügung steht. Werden mehrere Medien gleichzeitg genutzt, verstärken sich die entprechenden Auswirkungen deutlich.
  • Schulalltag: Durch Schulübertritte, Klassenwechsel oder neue Lehrpersonen sind unsere Kinder gefordert. Auch der ständige Kampf mit den Hausaufgaben, Schulprojekte, schwierige Prüfungen oder Konflikte mit Lehrpersonen setzen zu.

Mein Kind ist gestresst, wie kann ich ihr/ihm helfen?

Es ist keineswegs so, dass wir unseren Kindern alle Stressfaktoren aus dem Weg räumen und sie vor Stress bewahren sollen. Für eine gesunde Entwicklung wäre dies sogar hinderlich, denn Kinder und Jugendliche müssen lernen, angemessen mit Stress umzugehen. Je mehr Strategien zur Stressbewältigung sich Ihr Kind aneignet, desto besser ist es für seinen weiteren Lebensweg gerüstet. Sie können als Eltern Ihrem Kind jedoch dabei helfen, gemeinsam auf neue Lösungsstrategien zu kommen.

Tipps bei Stress:

  • Bewegung und Natur wirken Wunder: Bewegung hilft uns, gesund zu bleiben, steigert unser Wohlbefinden und unsere Lebenszufriedenheit, mildert negative Gefühle und hebt unser Selbstwertgefühl. Gehen Sie mit Ihrem Kind so oft wie möglich zu Fuss, nutzen Sie die Treppe oder nehmen Sie das Fahrrad.
  • Den Alltag gut planen: Im Alltag gibt es einige Punkte, die Stress produzieren oder entlastend wirken. Hilfreich ist, die Zeit gut einzuteilen, Termine zu planen und genügend Freiraum offen zu halten. Überlegen Sie zusammen mit Ihrem Kind, wie es Zeitdruck, Verspätungen und Hektik entgegenwirken kann. Achten Sie darauf, ob zu viele Termine anfallen oder zu nahe aufeinanderfolgen. Sie können beispielsweise mit Ihrem Kind eine Agenda führen oder Sie tauschen sich am Ende des Tages darüber aus, was Ihr Kind erlebt hat, was gut lief und was weniger gut lief.
  • Sich entspannen lernen: Sich entspannen zu lernen, kann dazu beitragen, den Alarmzustand des Körpers zu verringern. Manchen Kindern fällt es leichter, wenn sie über das bewusste Anspannen von Muskeln einen Entspannungszustand herbeiführen können. Andere fühlen sich eher angesprochen durch Techniken wie Yoga, Autogenes Training, Fantasiereisen oder Meditation.
  • Sich Zeit für sich selber nehmen: Ein Ausgleich zum stressigen Alltag ist zentral, um wieder Kraft tanken zu können. Wie diese selbstbestimmte Zeit aussehen soll, ist sehr individuell. Eltern können hier als Vorbild wirken, indem sie sich bewusst Ruhephasen einräumen und auch mal Unwichtiges liegen lassen.

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